Vereinsgeschichte

Prolog

Die Geschichte des Turnvereins Wicker musste im Jahre 1997 umgeschrieben und um ein wesentliches Kapitel erweitert werden. Der Verein hatte Anfang April von einem Vereinshistoriker Dokumente erhalten aus denen hervorging, dassdie Geburtsstunde des Turnvereins Wicker nicht wie bis dato angenommen im Jahre 1907, sondern bereits 1848 schlug. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 11. Juli 1997 wurde daher die Umbenennung von Turnverein Wicker 1907 e.V. in Turnverein Wicker 1848 e.V. beschlossen. Außerdem wurde beschlossen 1998 das 150-jährige Bestehen mit einer Jubiläumsfeierzu begehen.

Auf historischer Spurensuche des TV Wicker 1848 e.V.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich in Deutschland eine starke Bewegung liberaler und demokratischer Oppositionsgruppen gebildet. Die entstehenden politischen Spannungen führten zur Revolution von 1848 mit ihrem wichtigsten Schauplatz in Frankfurt am Main: Am 18. Mai 1848 wurde die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche eröffnet. Versammlungen, Demonstrationen und Straßenkämpfe bestimmten den Gang der Revolution. Im Zuge dieser Entwicklung kommt es zur Aufhebung der Zensur und der Freigabe des Vereins- und Versammlungsrechts. Die Folge war eine Welle von Vereinsgründungen. Neben den politischen und patriotischen Vereinen, den Vorläufern der politischen Parteien im modernen Sinn, wurden eine Reihe weiterer Interessenvereine gegründet, insbesondere der Turnvereine. In dieser Zeit von 1848 betrat auch der Turnverein Wicker die sportliche Bühne.

Da das bislang vorgeschriebene behördliche Genehmigungsverfahren, wie Einreichung von Mitgliederverzeichnissen, Statuten usw. entfiel, gibt es keine amtlichen Unterlagen aus dieser Zeit. Das früheste Dokument in dem unter anderem auch ein Wickerer Verein genannt wird ist die „Freie Zeitung“ vom 14.05.1848, die die Teilnehmer des ersten Nassauischen Turntages in Oranienstein auflistet. Auch am zweiten nassauischen Turntag, der am 23.07.1848 in Limburg stattfand, nahm Wicker teil. Wie auch die übrigen südnassauischen Turnvereine war Wicker wohl zunächst Mitglied des in Oranienstein gegründeten Bezirksverbandes für Taunus und Westerwald. Die geografische Nähe aber auch ideologische Gründe führten dazu, dass sich der Turnverein Wicker an dem in Mainz ansässigen Mittelrheinischen Turnverband, gegründet am 14.05. 1848, orientierte. Zunächst nahm Wicker, wie auch drei weitere namentlich genannte Vereine, nur beratend teil, da der Verein eine Woche zuvor in Oranienstein dem Bezirksverband für Taunus und Westerwald beigetreten war. In der Folgezeit trat der Turnverein Wicker jedoch dem Mittelrheinischen Turnverband als Mitglied bei, wie ein Rundschreiben aus dem Jahre 1850 belegt: Im Gegensatz zu vielen anderen Mitgliedsvereinen, hatte der Turnverein Wicker die vom Verband erhobenen Bezirksbeträge ordnungsgemäß entrichtet. In einem weiteren Beleg wird Wicker mit sechs weiteren nassauischen Turnvereinen als Mitglied genannt. Der einzige erhaltene handschriftliche Beleg dass in dieser Zeit bereits ein Wickerer Turnverein existierte, ist ein auf den 8. August datierter Brief: Wicker erhielt eine Einladung zu der am 12. August 1849 in Weilburg stattfindenden Fahnenweihe. In dem Schriftstück teilte Wicker seine Absage aufgrund der Erntebedingungen mit. Geturnt wurde damals auf dem Anwesen der Familie Allendorf in der Hubertstraße, auch „Turnhof“ genannt. Ansonsten gibt es von diesem Zeitraum der Geschichte des Turnvereins Wicker keine weiteren historischen Unterlagen.

Besonders stolz ist man beim TV Wicker auf die Vereinsfahne des 1847 gegründeten Vereins „Freie Turner“ oder auch „Jahnturner“ genannt, die aus dem Jahre 1848 stammt. Sie ist eine der ältesten, überdies noch gut erhaltenen Vereinsfahnen Hessens. Gründer dieses Vereins war unter anderem der Freiherr von Magdeburg, der auch die Fahnen seinerzeit gestiftet hat, sowie Franz Volk, der nach seiner Gesellenzeit 1847 aus dem Schwabenland zurückkehrte. Aufgrund seiner Beteiligung am Aufstand in der Frankfurter Paulskirche wurde der Verein schließlich verboten. Die Fahne wurde 1863 vom Gesangsverein Eintracht übernommen, der sich anlässlich seiner Fahnenweihe im Jahr 1875 den Namen „Harmonie“ gab und als solcher auch heute noch in Wicker besteht.

Die „zweite Geburtsstunde“ des TV Wicker 1848 e.V.

Erst ab dem Jahr 1907 ist das Vereinsleben gut dokumentiert, denn im Jahre 1907 wurde der heutige TV Wicker unter dem Namen „Turnverein Gut Heil“ wieder- bzw. neugegründet. Unter dem Motto „Frisch fromm, fröhlich frei“ fanden sich beherzte, junge Männer zusammen, um im Geiste Friedrich Ludwig Jahns an die alte Wickerer Turnertradition anzuknüpfen. 43 Gründungsmitglieder waren anwesend, als man am 22. Juli 1907 den neuen alten Verein aus der Taufe hob. Die Turnerfahne aus dem Jahr 1848 wurde wieder von dem Verein übernommen. Eine Woche nach der Vereinsgründung wurde beschlossen, die nötigen Turngeräte von der Turngerätefabrik E. H. Pfeiffer in Frankenthal anzuschaffen.
Im Jahre 1920 wurde in der Vereinsversammlung am 01. Januar beschlossen, einen eigenen Turnplatz herzurichten und das dafür benötigte Grundstück zu erwerben. Ein entsprechender Antrag wurde beim Kreisausschuss eingereicht. Daraufhin erklärte sich die preußische Domänenverwaltung bereit, dem Verein Grundstücke von etwa 56 Ar für 8710,00 Reichsmark zu überlassen. Nachdem der Turnverein Wicker ein Grundstück sein eigen nennen konnte, wurde am 13. März 1924 beschlossen, eine kleine Halle zur Unterbringung der Turngeräte auf dem Gelände zu errichten. Zu diesem Zweck wurde dem Verein eine Staatsbeihilfe in Höhe von 505,00 RM gewährt, zusätzlich leistete die Gemeinde einen Beitrag von 50,00 RM. Seine heutige Größe erreichte das Grundstück des Turnvereins durch einen weiteren Zukauf: in der Sitzung am 4. Juli 1926 verkaufte der Turner Joseph Allendorf dem Verein ein neben dem Sportplatz liegendes Grundstück, 5 RM per Rute.

Als Wegbereiter und Organisator des deutschen Turnwesens gilt auch heute noch Friedrich Ludwig Jahn, besser bekannt als „Turnvater Jahn“. Er legte im Jahre 1811 den ersten Turnplatz in Berlin an, entwickelte viele Turngeräte und –übungen und schuf damit die Grundlagen zur Verbreitung der Turnkunst und somit auch der Turnvereine. Ihm zum Andenken pflanzte der damalige Zeugwart Franz Embs am 22. Februar 1930 eine Eiche, die noch heute gut erhalten auf dem Sportplatz steht. Im gleichen Jahr, am 15. März wurden zum Gedenken der Opfer, die der erste Weltkrieg aus den Reihen des Turnvereins gefordert hat, zwei Trauerweiden auf den Sportplatz gesetzt. Leider mussten diese jedoch vor einigen Jahren entfernt werden.

Der Beginn der Naziherrschaft im Jahre 1933 und die geforderte Durchdringung aller Lebensbereiche mit dem politischen Programm der Nazis brachte auch für die Turnvereine Veränderungen mit sich. Nach den neuen Richtlinien musste ein Führer gewählt und außerdem das Lokal mit der Reichsflagge sowie mit den Bildern von Turnvater Jahn und dem Reichskanzler geschmückt werden. Daraufhin trat der Vorstand in der Generalversammlung am 10. Mai 1933 zurück. Die sportliche Aktivität wurde jedoch nicht eingestellt und so nahmen die aktiven Turner an vielen Turnfesten Teil und konnten einige Siege und sportliche Erfolge erringen. Obwohl das Vereinsleben während des Krieges eigentlich ruhte, wurde von einigen jungen Männern die Handballabteilung gegründet und es wurden trotz des Krieges einige Freundschaftsspiele mit den Nachbargemeinden ausgetragen. Bis zu diesem Jahre 1942 bestand der Turnverein Wicker nur aus der Turnabteilung.
Die erste Versammlung nach dem Kriege wurde im Jahre 1946 abgehalten, in der auch ein neuer Vorstand gewählt wurde. Zur Wiederherstellung des Vereinslebens gab es nach dem Krieg für die Mitglieder eine Menge zu tun. So wurden auf dem Sportplatz während des Krieges Flakstellungen errichtet, die tiefe Löcher auf dem Gelände hinterließen. Insgesamt mussten 150 cbm Erde bewegt werden, um den Sportplatz wieder herzurichten. Aber die Mühe lohnte. Eine erste Anerkennung der Vereinsarbeit erhielt der Turnverein Wicker anlässlich der Jahrhundertfeier der Deutschen Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt 1948, zu der auch die Wickerer Vereinsfahne gebracht wurde. Zur Erinnerung erhielt der Verein eine Schleife und eine Urkunde. An diese Ehrung schlossen sich auch die ersten sportlichen Erfolge an.

Im Jahre 1952/53 nahmen die Handballer erstmals an einer Punktrunde teil, gewannen die Meisterschaft und schafften aus dem Stand den Sprung in die nächsthöhere Spielklasse. Dabei waren die Trainings- und Spielbedingungen, gerade aus heutiger Sicht, alles andere als günstig. Ab Mitte der fünfziger Jahre trainierten die Turner und Handballer in der Scheune von Barbara Volk in der Kirchgartenstraße in Wicker. Dennoch hatte der TV Wicker immer wieder kleine und große Erfolge zu verzeichnen, ab 1956 aber nicht nur in sportlicher Hinsicht. In diesem Jahr wurde der Spielmannszug gegründet, dessen Bekanntheitsgrad bald weit über die Grenzen des Main-Taunus-Kreises reichen sollte. Trotz der vielen Erfolge bei Wettkämpfen und sonstigen Anlässen war der Spielmannszug jedoch nur ein kleines Kapitel in der Vereinsgeschichte des Turnvereins. Da immer weniger Spielmannsmitglieder im Laufe der Zeit bereit waren mitzuwirken, wurde der Spielmannszug, sehr zum Bedauern der Verantwortlichen, 1971 aufgelöst.

Den ersten Anlass zu einer größeren Vereinsfeier gab es schließlich im Jahre 1957: zum 50-jährigen Jubiläum wurde ein großes Festzelt auf dem Gelände des damaligen Vereinslokals, dem „Cafe Schulz“ errichtet. Aber auch sportlich machte der Verein wieder von sich reden. 1958 wird von einigen Turnern zum ersten Mal erfolgreich das Deutsche Turnfest in München besucht. Die Handballer, schon mit einigen Erfolgen verwöhnt, gewinnen wieder die Bezirksmeisterschaft in der Halle und nehmen an der Hessenmeisterschaft teil. Anfang der 60er Jahre wurde sogar die Teilnahme an der Südwestdeutschen Hallenhandballmeisterschaft erreicht. Neben dem Hallenhandball wurde in der damaligen Zeit auch noch Feldhandball gespielt. Auch hier erzielte die 1. Herrenmannschaft große Erfolge und spielte einige Jahre gar in der obersten deutschen Feldhandballklasse und sich so ins Gedächtnis der Handballwelt. Denn damals war der Feldhandball sehr populär, während man ihn heute lediglich auf Gedächtnis- oder Gauditurnieren wiederfindet.

In den folgenden Jahren wächst im Verein der Wunsch nach einer vereinseigenen Turnhalle. Nachdem Überlegungen zu verschiedenen Standorten angestellt wurden, sollte die Halle schließlich auf dem Sportplatz errichtet werden. Mit dem Bau der Umkleideräume beginnt im Jahre 1961 das Unternehmen Hallenbau, fünf Jahre später 1966, sind diese fertiggestellt. 1967 steht das nächste Vereinsjubiläum vor der Tür, welches vom 1. – 3. Juli in einem Festzelt auf dem Sportplatz gefeiert wurde. Zu diesem Anlass wurde eine neue Vereinsfahne angeschafft, die im Rahmen der Jubiläumsfeier übergeben wurde. Ein Jahr danach, im Frühjahr 1967, wird mit dem Bau an der Turnhalle begonnen. Über 10.000 Arbeitsstunden wurden von den Vereinsmitglieder bis zur Fertigstellung der Turnhalle 1968 geleistet, die daraufhin am 18. Januar feierlich eingeweiht und in Betrieb genommen wurde.

Nun können die Sportler endlich in ihrer eigenen Halle trainieren, was vor allem für das Turnen und die Gymnastik gilt. Neben den verbesserten sportlichen Bedingungen können sich die beiden Abteilungen auch über den meisten Mitgliederzuwachs im Verein freuen. Der Mitgliederstand hat sich nicht zuletzt durch die gestiegene Attraktivität des Vereins aufgrund der vereinseigenen Halle von 247 Mitgliedern im Dezember 1968 auf 485 Mitglieder im Dezember des Jahres 1969 erhöht. Auch wurden einige Gehversuche auf neuem sportlichen Terrain gewagt: die in diesen Jahren gegründete Tischtennisabteilung löste sich jedoch mangels Zuspruch nach einiger Zeit wieder auf.

Neben der körperlichen Ertüchtigung der Wickerer Bevölkerung spielte sich auch das gesamte Wickerer Vereinsleben von nun an in der Turnhalle ab. Familienabende, Faschingsveranstaltungen, die Wickerer Kerb und vieles mehr fand in der Turnhalle eine behagliche Heimat. Von den Besuchern wegen der Geselligkeit und Unterhaltung geschätzt, bedeuteten die Veranstaltung zugleich aber auch eine Belastung für die Mitglieder des Turnvereins. Da die Bewirtschaftung in eigener Regie des Turnvereins betrieben wurde, mussten 3000 freiwillige Arbeitsstunden im Jahr geleistet werden. Mit den weiteren 3000 freiwilligen Arbeitsstunden, die im sportlichen Bereich geleistet werden wird deutlich, welche Bedeutung dem persönlichen Engagement der Vereinsmitglieder für die Aufrechterhaltung eines Vereinslebens zukommt. Auch wenn mit der Turnhalle ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte errichtet wurde, soll an dieser Stelle daran erinnert werden, dass vor allem die Leidenschaft, aber auch die Verpflichtung der Mitglieder gegenüber dem Verein das Wesen eines Vereins, nicht allein des TV Wicker 1848 e.V., ausmacht.

Siege, Ehrungen, Preise: die sportlichen Erfolge des TV Wicker 1848 e.V. und seine weitere Entwicklung

Die Handballmannschaften, von jeher neben den Turnern eines der Aushängerschilder des Vereins in den sportlichen Wettbewerben, hatten mit der 1973 fertiggestellten Sport- und Kulturhalle in der Nachbargemeinde Weilbach ebenfalls eine Trainingsmöglichkeit zur Verfügung. In ihrer ersten Saison 1973/1974 schaffte die erste Herrenmannschaft des TV Wicker prompt den Aufstieg in die Oberliga. Durch die immer besser werdende sportliche Infrastruktur und dem vermehrten Bau von Turnhallen wurde zu diesem Zeitpunkt der Feldhandballbetrieb ganz eingestellt, da immer weniger Vereine zur Teilnahme an einer Feldhandballrunde bereit waren.

Mit der Gründung der Badmintonabteilung 1976 und der Tennisabteilung 1978 wird das sportliche Angebot des TV Wicker weiter erweitert. Auch eine Damenmannschaft der Handballabteilung wird ins Leben gerufen, die erstmals 1977/78 an der Punktrunde teilnimmt. Ein Jahr später, in der Saison 1978/79 erscheint zum erstenmal die Vereinsbroschüre „Wickerer Handball aktuell“, mit Beiträgen von Vereinsmitgliedern, die bis zum heutigen Tag als Informationsquelle für die einzelnen Vereinsaktivitäten dient.

Der Mitgliederstand erhöht sich bis zum Ende des Jahres 1978 auf 686 Mitglieder. Durch das wachsende Angebot und die steigende Mitgliederzahl werden auch neue Bedürfnisse hinsichtlich der sportlichen Anlagen geweckt. Unter der Mithilfe vieler Vereinsmitglieder und der Finanzierung durch die Abteilung, konnte schließlich der Bau einer Tennisanlage mit drei Plätzen in Angriff genommen werden, die im Jahre 1979 auf einem Grundstück neben dem Sportgelände fertiggestellt wurde. Außerdem wird ein Kleinfeldspielplatz für die Handballer auf dem neuen Grundstück errichtet. Unter den Augen der zahlreich erschienen Prominenz aus Politik und Sport wurde die Sportanlage am 26.04.1980 eingeweiht. In den festlichen Reden wird dabei immer wieder die Leistung des Vereins hervorgehoben, die nun neben der Turnhalle eine weitere Sportanlage ihr Eigen nennen darf, was zur damaligen Zeit schon einmalig war.

Im Zuge der Entwicklung des Vereins müssen auch die Mitgliedsbeiträge angepasst werden. In der Jahreshauptversammlung 1981 wird daher eine Erhöhung für Jugendliche von 2,- DM auf 2,50 DM und für Erwachsene von 3,- auf 4,- DM beschlossen. Obwohl sich die Mitgliederzahl in den Jahren von Dezember 1968 bis Dezember 1981 von 217 auf 788 mehr als vervierfacht hat, bedeutet dies nicht zugleich, dass dem Verein auch mehr helfende Hände zur Verfügung stehen. In einigen Abteilungen wird nun auch mal das mangelnde ehrenamtliche Engagement der Mitglieder beklagt.

Das Jahr 1982 stand ganz im Zeichen des 75.-jährigen Jubiläums. Zu diesem Anlass wurde ein großes Festzelt auf dem Sportplatz errichtet, in dem die Feierlichkeiten in der Zeit vom 5. bis 7. Juni stattfinden. Die Entwicklung des Turnvereins in den einzelnen Abteilungen schreitet weiter voran. Im gleichen Jahr wird in der Tennisabteilung der Umbau des bisherigen Lagerschuppens auf dem Sportgelände in ein Tennisvereinsheim beschlossen; wieder wird die Finanzierung durch die Abteilung sichergestellt. Auch die Handballabteilung arbeitet nach wie vor erfolgreich. Mittlerweile gehen 12 Mannschaften im Jugend- und Aktivenbereich auf Torejagd. Ebenso erfährt die Frauengymnastik regen Zuspruch, mit 60 Damen sind die einzelnen Übungsstunden sehr gut besucht. Lediglich die Badmintonabteilung hat in dieser Zeit Grund zum klagen: Aufgrund der schlechten Trainings- und Spielbedingungen wurde die aktive Mannschaft aus der Punktrunde zurückgezogen. Damit ging ein Stück ihrer Attraktivität für die Badmintonspieler verloren: Als reine Freizeitsportabteilung weiterbetrieben, haben viele Mitglieder dem Badmintonsport im TV Wicker den Rücken gekehrt.

Im Jahr 1983 steht schließlich das Deutsche Turnfest und das Landeskinderturnfest in Frankfurt an. Mit dabei viele Turnerinnen und Turner aus Wicker, die eine Reihe sportlicher Erfolge feiern können. Die kulturellen Veranstaltungen des Vereins wie der Maskenball und der Tanz in den Mai können sich nicht über den gleichen Besucherzuspruch freuen wie die sportlichen Wettbewerbe. Vor allem der Wandertag, seit einigen Jahren immer am 1. Mai durchgeführt, hat sich mittlerweile zu einer echten Institution entwickelt und ist aus dem Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken. Nahezu 400 Wanderer nehmen an den Wanderungen teil, sei es aufgrund der schönen Wickerer Umgebung, die zum Herumstreifen geradezu einlädt oder weil nach der Wanderung eine leckere Erbsensuppe in der Turnhalle auf die mittlerweile hungrigen Wanderer wartet.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich auch die kulturellen Veranstaltungen des Vereins zu wahren Besuchermagneten, deren Bewirtschaftung nun mit einigem Aufwand verbunden war. Im sportlichen Bereich konnten weiterhin Erfolge erzielt werden. Mit der Sanierung der Heizung wurden 1984 auch wieder bauliche Arbeiten in Angriff genommen. Rund 200.000 DM mussten dafür vom Verein aufgewendet werden. Zwei Jahre später, 1986, wurden schließlich 2 Garagen an die Turnhalle angebaut, die zur Unterbringung der Turngeräte und sonstigem Inventar genutzt wurden. Die erfolgreiche Vereinsarbeit, die vielen Eigenleistungen der Vereinsmitglieder blieben auch auf Gemeinde- und Landesebene nicht unbemerkt. In der Jahreshauptversammlung wurde zum ersten mal darüber gesprochen, dass mit den finanziellen Mitteln von Stadt und Land eine große Sport- und Kulturhalle ihren Platz in Wicker erhalten sollte. Vor allem für die Handballer wäre eine eigene Wettkampfstätte von besonderer Bedeutung, da sie bisher in anderen Ortschaften trainieren und spielen mussten. Im darauffolgenden Jahr scheint der Bau einer Sport- und Kulturhalle in Wicker Wirklichkeit zu werden. Einziger Wehrmutstropfen: gleichzeitig wird auch der Abriss der alten Wickerer Turnhalle ins Gespräch gebracht, da diese nun ja nicht mehr gebraucht wird. In der Jahreshauptversammlung 1987 wird beschlossen, von Vereinsseite alles dranzusetzen, dass dem Verein die Turnhalle erhalten bleibt. Der Mitgliederstand in diesem Jahr hat mit 839 Mitgliedern einen neuen Höchststand erreicht. Sportlicher Höhepunkt des Jahres war der Besuch des deutschen Turnfestes in Berlin, an dem der TV Wicker mit 19 Turnerinnen und Turnern erfolgreich teilnimmt. Für die Anhänger des Handballs ist 1987 jedoch ein schwarzes Jahr, die erste Herrenmannschaft steigt nach zehnjähriger Zugehörigkeit aus der Oberliga ab. Dennoch darf weiterhin auf sportliche Erfolge gehofft werden. Anlass dazu gibt die aussichtsreiche Jugendarbeit in der Handballabteilung.

Im Jahr 1988 wird der Bau der Großsporthalle an der Goldbornschule in Angriff genommen. Wegen der gestiegenen Kosten im laufenden Vereinsbetrieb müssen erneut die Beiträge erhöht werden, für Jugendliche von 2,50 auf 3,- DM, und von 4,- auf 5,- DM bei den Erwachsenen. Wieder steht ein Jubiläum einer Vereinsabteilung vor der Tür, diesmal ist die Tennisabteilung mit feiern dran, gilt es doch ihr 10jähriges bestehen zu begehen. An der Medenrunde des Jahres 1989 nehmen bereits 4 Wickerer Tennismannschaften teil. Auch die Turner machen weiter von sich reden, nehmen sie doch weiterhin erfolgreich an den Wettkämpfen teil, zudem stand in diesem Jahr der Besuch des deutschen Turnfests auf dem Programm. Neben dem Wettkampfturnen erfreuen sich auch die Übungsstunden im Kinderturnen wachsender Beliebtheit. So wird in diesem Jahr erstmals ein Eltern-Kind-Turnen durchgeführt, dass von Beginn an gut angenommen wird. Seit seiner Gründung hatte der TV Wicker nicht allein das sportliche Ringen um Pokale und Preise im Blick. Vielmehr wollte er auch der breiten Bevölkerung einen Rahmen für die sportliche Ertüchtigung bieten. Dies spiegelt sich auch in den Mitgliederzahlen wider: 1990 konnte der Verein 933 Mitglieder verzeichnen. Die Mitgliederzahl hält dabei mit der Entwicklung des Ortes Wicker Schritt, so war immer nahezu ein Viertel der Wickerer Einwohner im Verein engagiert. In diesem Jahr müssen einige kulturelle Veranstaltungen aufgrund ihrer geringen Resonanz eingestellt werden. Neben dem Tanz in den Mai wurde der Wickerer Maskenball aus dem Veranstaltungskalender herausgenommen. Die weiteren Veranstaltungen wie der Wandertag am ersten Mai, das Handballer Picknick am Tor zum Rheingau, die Fahrt in den Schnee und die Weihnachtsfeier erfreuen sich weiterhin der Beliebtheit der Vereinsgetreuen.

Mit dem Jahr 1990 geht das erfolgreichste Jahr der Handballabteilung zu Ende. Die A Jugend des TV Wicker gewinnt die Deutsche Vizemeisterschaft. Nach zahlreichen Qualifikationsspielen auf Länder und Bundesebene, die alle gewonnen werden konnten, mussten sie sich nach zwei spannenden Endspielen dem TV Schutterwald geschlagen geben. Das Endspiel verloren, die Herzen der Zuschauer gewonnen: Mit Fahnen, Trompeten und Laola verwandelten die mitgereisten Wickerer Zuschauer jede Halle in einen ausverkauften Hexenkessel. Mit dem Gewinn der Bezirksmeisterschaft glückt der ersten Mannschaft schließlich der Wiederaufstieg in die Oberliga. Die erste Damenmannschaft steht dem in nichts nach und rundet mit ihrem Aufstieg in die erste Bezirksklasse das erfolgreiche Jahr ab. Mit einem Umzug der Mannschaften, ihrer Trainer und ihren Anhängern durch Wickerer, mit Pferdekutschen und Spielmannszug, wurden die Erfolge anschließend gebührend gefeiert.

Am 30. August 1991 beginnt ein neues Kapitel für den Turnverein Wicker. Endlich ist es soweit, die Goldbornhalle, als Sport- und Kulturhalle angelegt, wird eingeweiht. Bereits seit Juli können die Sportler in ihrer neuen Stätte trainieren. Neben den Handballern, die nun endlich ihre Heimspiele in eigener Halle in Wicker austragen können, freuen sich vor allem die Badmintonspieler über ihre verbesserten Wettkamp- und Trainingsmöglichkeiten. Mit eigener Küche, einem Veranstaltungsraum und der Abtrennmöglichkeit in der Halle ist sie von nun an auch die Heimat der kulturellen Veranstaltungen. Obwohl dem TV Wicker nun einiges an Arbeitsstunden fehlen wird, ist dem Vorstand und den Mitgliedern gleichzeitig die Last der Bewirtschaftung mit 3000 freiwillig geleisteten Arbeitsstunden im Jahr von den Schultern genommen. Die Gymnastikabteilung setzt die Erweiterung ihres Angebots mit Kursen für jüngere und ältere Leute sowie einem Skigymnastikkurs fort und bestätigt ihr Näschen für die Mitgliedergunst, die neuen Übungsstunden werden sehr gut angenommen.

Trotz der neuen Sportsstätte wird in der Jahreshauptversammlung am 29. März 1992 die Sanierung der Turnhalle beschlossen. Die Kosten werden auf 400.000 DM veranschlagt. Der von vielen Gremien vorgesehene Abriss konnte durch den Vereinsvorstand abgewendet werden. Durch die Sanierungskosten wird eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge von 3 auf 5,- DM für Jugendliche und von 5 auf 7,- für Erwachsene notwendig. Der erneute Mitgliederzuwachs mit einem Rekordstand vom 31.12.1992 von 1105 Mitgliedern ist vor allem der Gymnastikabteilung und ihrem vielfältigem Freizeitangebot zuzuschreiben.

Im Jahre 1993 sind die Renovierungsarbeiten in der alten Turnhalle in vollem Gange, bis Mitte 1994 soll alles geschafft sein. Die Badmintonmannschaft nimmt mit zwei Mannschaften erstmals wieder an einer Punktrunde teil, ausschlaggebend hierfür waren die verbesserten Wettkampfbedingungen der neuen Goldbornhalle. Die Gymnastikabteilung erweitert ihr Kursangebot, mit den Kursen zur Rückenschule und der Wirbelsäulengymnastik seien hier nur zwei Beispiele genannt. Der Verein zur Förderung des Handballsports, vor einigen Jahren aus der Taufe gehoben, veranstaltet nach 1992 in der Goldbornhalle zum zweiten Mal ein Oktoberfest das sich regem Zuschauerzuspruch erfreuen darf.

1994: Die Sanierungsmaßnahme der Turnhalle ist beendet, in neuem Glanz steht sie nun den Mitgliedern zur Verfügung. Die Kosten von etwa 400.000 DM wurden durch Zuschüsse, einem hohen Maß an Eigenleistung sowie durch das Vereinsvermögen gedeckt. Leider fehlt seit einiger Zeit der Wille der Mitglieder, im Vorstand mitzuarbeiten. Einige Posten sind seit Jahren nicht besetzt, was zugleich natürlich eine Menge Mehrarbeit für die Amt befindlichen übrigen Vorstandsmitglieder bedeutet. Zum ersten Mal findet in diesem Jahr die Weihnachtsfeier aufgrund des großen Zuspruchs in der neuen Halle statt, mehr als 400 Besucher wohnen der Feier bei. Inzwischen hat sich der Verein mit 1298 Mitgliedern zum größten Verein im Stadtbezirk Flörsheim entwickelt. Im Verhältnis Einwohner zu Vereinsmitgliedern ist der Turnverein Wicker ohnehin unschlagbar. Im Jugendbereich sind zu Zeit sieben Mannschaften aktiv. Dennoch gibt es Nachwuchssorgen: aufgrund des fehlenden Interesses der Jugendlichen am Handballsport müssen mit anderen Vereinen Spielgemeinschaften gegründet werden, wie etwa im A- und B-Jugendbereich mit Eddersheim. Darüber hinaus fehlt es auch an qualifizierten Übungsleitern und Betreuern. Vielleicht helfen Erfolge im Aktivenbereich, um den Handball wieder attraktiv für die Jugend zu machen. Einen ersten Anfang macht die Damenmannschaft in diesem Jahr. Sie schloss die Punktrunde auf dem zweiten Platz ab, was den Aufstieg in die nächsthöhere Bezirkslkasse bedeutete.

Der Nachmittag für Seniorinnen und Senioren wird 1995 erstmals ins Leben gerufen. Da die Veranstaltung sehr gut besucht war, wird deren Wiederholung im nächsten Jahr beschlossen. Die Turnerinnen und Turner veranstalten auch in diesem Jahr ihr Sommerfest auf dem Sportplatz. In sportlicher Hinsicht muss der Abstieg der ersten Herrenmannschaft aus der Oberliga verkraftet werden. Der Mitgliederstand beträgt zum Jahresabschluss 1320 Mitglieder. Zum erstenmal in der Vereinsgeschichte sind mit 678 weiblichen Mitgliedern gegenüber 642 Männern die Frauen in der Überzahl. Daran wird deutlich, wem in erster Linie das rasante Vereinswachstum zu verdanken ist, nämlich der erfolgreichen Arbeit in der Gymnastikabteilung.

In der Jahreshauptversammlung am 19.04.1996 wird ein Konzept zur Erweiterung der Turnhalle vorgelegt und beschlossen. Obwohl es dem Vorstand an Unterstützung mangelt und einige der Vorstandsposten unbesetzt sind, wird hier gute Arbeit geleistet. Vor allem fehlt es an jungen Leuten im Verein, die bereit sind, im Vorstand mitzuwirken und Verantwortung zu übernehmen. Neben der erfolgreichen Vereinsarbeit, den vielen gelungenen sportlichen und kulturellen Auftritten des Vereins im Wickerer Gemeinwesen stellt dies das eigentliche Manko des Vereins dar. Mit der stattlichen Zahl von 1348 Mitgliedern geht das Jahr 1996 zu ende.

Das nächste Jahr war voller Ereignisse. Für den 03. und 04. Mai war die Jubiläumsfeier zum 90jährigen Bestehen des TV Wicker geplant. Wie bereits geschildert, kam jedoch alles ganz anders: Historische Dokumente waren aufgetaucht, die Geburtsstunde des Vereins um 59 Jahre nach vorne verlegt. Der Verein TV Wicker 1907 e.V. wurde in den TV Wicker 1848 e.V. umbenannt. „Der TV Wicker ist tot, lang lebe der TV Wicker“. Auch sportlich gab es in diesem Jahr einiges zu berichten. Der engagierten Arbeit des Fördervereins ist es zu verdanken, dass, neben weiteren namhaften Handballmannschaften, auch die Bundesligamannschaften der SG Wallau-Massenheim und des TV Großwallstadt der Einladung nach Wicker zu einem Handballturnier in der Goldbornhalle folgten. Die zahlreich erschienen Zuschauer konnten sich so über das ein oder andere Handball-kabinettstückchen freuen. Die Gymnastikabteilung baut ihr Kursprogramm weiter aus, sämtliche Übungsstunden sind weiterhin gut besucht. Auch die übrigen Abteilungen des Vereins, wie die Badminton, die Turn- und die Tennisabteilungen setzen ihre erfolgreiche Arbeit fort. Einziger Schatten der auf die Entwicklung des Vereins fällt, ist und bleibt der Mangel an Nachwuchs für die Vorstandsetage.

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